Orgeldisposition der neuen Lenter Orgel

Erbauer: Orgelbau Lenter GmbH, 2016

Koppeln mechanisch
III-II, 16´ III-II, I-II, III-Ped, II-Ped, I-Ped, 4´ III-Ped.
Zwei Tritte für eigenen Schweller Vox humana & Windschweller Physharmonika
Alle Trakturen rein mechanisch
Freie Windanlage mit 2 Faltenbälgen + Keilbalg für Rückpositiv

Orgelbeschreibung der neuen Lenterorgel zur Einweihung

Die neue Orgel als ein Zeitspiegel der Kulturepochen

sichtbar – hörbar – erlebbar

Wenn Sie die Lutherkirche Fellbach durch den Haupteingang betreten, wird Ihr Blick sogleich auf die Orgel über dem Altar gelenkt.

Das Instrument (Musik) steht in einer kirchlich-liturgischen Anordnung zum Altar (Sakrament), zur Kanzel (Predigt) und zum Taufstein (Taufe).
Es handelt sich hierbei um ein Zeugnis protestantischer Gottesdienst- und Kirchenbau-Kultur, die bis ins 16. Jahrhundert, sprich auf Martin Luther, zurückgeht.

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Orgelgeschichte Lutherkirche

Kleine Geschichte zu den Orgeln in der Lutherkirche Fellbach

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Von der ersten Orgel der Lutherkirche konnte nichts mehr gefunden werden. 


1658: Es war der Wunsch eine größere Orgel an zu schaffen, weil die alte Orgel „zur Regulierung eines harmonierenden und hurtigen Gesangs viel zu schwach und zu gering seye.“ 1658 wurde die zweite Orgel angeschafft.

1733/1740: 1733 wurde der Vertrag einer dritten Orgel mit dem Heilbronner Orgelbauer „Johann Fridrich Schmahlen“ geschlossen. Joh. Fr. Schmahl verstarb unerwartet im Jahre 1736. „Obwohl nun derselbe 2 Brüder als Orgelmacher hinterlassen, so wollte doch keiner in unserem Akkord stehen, mithin musste das Werk abermahlig eine große Hinderniss u. Aufschub leyden… Endlich anno 1739 ließ Gott die lang gewünschte Zeit herbeynahen….mit diesen zwei Herren…einen neuen Akkord zu treffen.

So auch den 6. August geschehen (6. August 1739) und mit de Herrn Johann Adam Schmahlen, Orgelmacher zu Heilbronn, ein wirklicher Akkord geschlossen. – d. 4. Febr. 1738 wurde Er wegen der an Herrn und Unterthanen verübten Gewaltigkeit und Betrug in einem eyßernen Käffig aufgehängt.

Johann Adam Schmahl baute das Instrument fertig und lieferte es im Jahre 1740 mit 19 Registern zuzüglich drei Registern Vocem humanam, Floet-Travers und Oktav-Baß.

Dahingegen verspricht Fellbach Ihm 1. zu bezahlen – 600 Gulden und seiner Frau 6 Dukaten. 2. Bey- Stellung des Werks drey Wochen freye Cost und Logis, oder täglich 1 Gulden 30, 3. das Werk auf seine Kosten ab zu holen –

Nachdem nun die Orgel glücklich allhier angelangt, so kam der Herrn Orgelmacher Schmahl mit 2 Gesellen selbsten hernach, um dieselbe auf zu richten und brachten mit Stellung derselben 20 Wochen zu. D. 16 Dezember wurde er endlich mit derselben fertig: Machte uns 3 Register e.g. (Zuzüglich):

„Vocem humanam, Floet-Travers und Oktav-Baß mit Peda, über den Akkord.

Die Orgelprob’ und Einweihung mussten wir wegen der – auch in dies bedauerlich neben dem außerordentlich Winter, dazu die Frucht und Obst wohl gerathen, der Wein aber gänzlich erfrohren, war es wegen der vielen, hohen Todesfällen bedenklich, in den darinnen gestorben Karolus VI, Imperator Fridericus Wilhelm: Rex Borussia, Papa Clemens XII, Anna Imperatrix item episcopus Constanz –

40. Jahr eingefallenen Kayser-Trauer auf das Frühjahr, dazu Gott loben,…Frieden und singen wollen, aufschieben. Wozu Herr Schmahl wieder zu kommen, und uns das ganze Werk unklagbar zu übergeben sich verbindlich gemacht. Inzwischen wurde das Werk dennoch gespielet und wegen dessen Lieblichkeit und Schönheit sodann wir es gleichbalden anmahlen, mit Massivgold vergulden, mit dem Wappen des Ober- und hiesigen Unteramt auch Gerichts und Raths auszieren lassen von allen Kennern approbieret. Das alte Orgelwerk wurde d. 18. August auf Kemnath Stadt verkauft für 122 Gulden 30;

AD 1742 …, d. 17. April kam endlich Herr Schmahl und setzte das Werk in vollkommenen Stand. SOLO DEO SIT GLORIA!


1780: „Da diese Orgel jedoch „viele unverbesserliche Fehler hatte„, wurde der Orgelbauer Jacob Weinmar aus Bonsdorff berufen, ein „gantz neues aus 22 Registern bestehendes Orgelwerk zu verfertigen“ für „1.100 Gulden und 1 Eymer Wein“. Am „Sonntag nach Bartholomae 1780, welches damals Dom. XIV p. Trin. war“ wurde diese vierte Orgel das erste Mal gespielt.

Beim Abbau des Orgelgehäuses im Jahre 2015 wurde im Innern des Gehäuses an der historischen Windladenöffnung ein Teil der Orgeldisposition aus dem Jahre 1780 entdeckt. Die Schrift stammt entweder aus dem 19. Jahrhundert oder aus dem Jahre 1911.

Das prächtig anzuschauende Gehäuse des Orgelbauers Johann Adam Schmahl hingegen lagerte Johann Jacob Weinmar vermutlich zuerst bei sich in der Werkstatt ein und baute es 1789 in der Stadtkirche Neuenbürg (Nordschwarzwald) ein, wo bis heute ein Orgelgehäuse aus der Werkstätte Schmahl steht, bei dem es sich um das Fellbacher Werk handeln könnte.

Zwischen 1780 und 1911 ist uns nichts über die Orgel in der Lutherkirche Fellbach bekannt.


1911: Die fünfte neue Orgel wurde im Jahre 1911 eingeweiht. Hinter dem vorhandenen Prospekt baute die in Ludwigsburg (Württemberg) ansässige Firma Eberhard Friedrich Walcker & Cie ein Instrument mit 34 Registern, das sich „hoch über Landorgeln gewöhnlichen Schlags erhebt und für Ohr und Auge einen wirklichen Kunstgenuss gewährt.

Disposition

opus 1641. Anno 1911 (Inhaber Eberhard und Oskar Walcker)

GUTACHTEN: Die verhältnismäßig reiche Ausstattung mit Klangmitteln, deren sich die Fellbacher Orgel dank privater Stiftungen erfreut, hat es ermöglicht, in der Intonation des Werkes das Absehen auf edle Weichheit vorwalten zu lassen. Der für diesen Zweck niedere Windgrad war für die Firma WALCKER kein Hindernis, den Einzelstimmen die zutreffende Charakteristik und dem Vollwerk Klarheit und Glanz zu wahren. Der sehenswerte alte Prospekt ist erhalten geblieben und zwar nicht nur für die Hauptorgel, sondern auch für das die Brüstung der Orgelempore zierende Positiv. Der Versuch, dieses durch Einstellen von 4 klingenden Stimmen wieder aufleben zu lassen, ist in überraschender Weise gelungen:

Die Positivstimmen Gedeckt 8’, Oktave 4’, Quinte 2 2/3’ und Oktave 2’ bilden nach sorgfältiger Abwägung nun einen prächtigen Kornett, der für sich allein sehr interessant wirkt und doch den Stimmen des Gesamtwerks bestens angefügt ist. Hervorzuheben ist noch die schöne Wirkung des Schwellers für das II. Manual, dem eine fein intonierte Cymbel besonderen Glanz verleiht. Das Werk erhebt sich hoch über Landorgeln gewöhnlichen Schlags und gewährt für Ohr und Auge einen wirklich Kunstgenuß.

Stuttgart, 14. Oktober 1911
gez. Professor Heinz Lang, Orgelrevident


1969: Da einerseits die „damals hohen Ansprüche auf der technischen Seite nicht mehr zu verwirklichen waren„, andererseits das „romantische Klangbild der Orgel der Zeit nicht mehr gerecht war““ wurde die sechste Orgel mit 37 Registern hinter den historischen Prospekt am 21. Dezember 1969 eingeweiht. Diese Orgel baute die Orgelbaufirma Walcker mit irreparablen Konstruktionsfehlern.

Einweihung: 4. Advent, 21. Dezember 1969, 9:30 Uhr mit Kantate von Georg Philipp Telemann „Laudate Jehovam“); Mitwirkende des Fellbacher Kammerorchesters; Chor der Lutherkirche Fellbach, Kantor: Alexander Haucke, Posaunenchor Fellbach, Ltg: Walter Bäuerle, Predigt: Dekan Georg Pfäfflin, S-Bad-Cannstatt

Disposition

aufgestellt von Professor Herbert Liedecke, Stuttgart, Orgelsachverständiger: Dr. Walter Supper, KMD, OSV Walter Lutz ist unterrichtet:

Bau der Orgel: Orgelbaufirma E.F. Walcker & Cie.-Ludwigsburg (opus 5242)

Mechanische Spieltraktur / Elektrische Registertraktur/ Zwillingslade Hauptwerk-Pedal
I/II, III/II, III/I rein elektrische Wechselwirkung
I/P, II/P, III/P, mech. mit elektr. Betätigung, Wechselwirkung
2 freie Kombinationen, 2 freie Pedalkombinationen mit Auslöser
Tutti mit Auslöser Wechselwirkung, Walze, Walze ab, Koppeln aus Walze, Zungen ab, Zungeneinzelabsteller

Kosten 142,000 DM

Neumarmorierung der Flächen des Prospektes mit Emporen, Neumarmorierung der Emporensäulen.

Von der originalen Vergoldung konnte 60% gesichert werden. Am Prospekt wurde an den Profilen ca. 85% mit Poliment neu vergoldet.

Damit die Profile nicht zu goldig verschwimmend wirken, wurde 1 Phase nur mit Okker gefasst.

Kosten 10.605,00 DM

  • 1986: Orgelpfleger Herr Boehmig / Orgelbau Walcker:

    Technische Erweiterung / Überholung der Orgel:

    Einbau einer neuen Setzterkombination mit 8 Generalsetzern und 4 geteilten Setzern pro Werk und Pedal, Walze, Tutti, Einzelabsteller für Walze und Zungenstimmen alle Winkel, Pendel und Wellenlager aus Kunststoff werden gegen Holz ausgewechselt

    Klangliche Veränderung: Austausch Pedalregister Klarine 4’ in Trompete 8’, veränderung Man III: Terzsept 2fach in Terz 2fach

    Kosten 76.983,73 DM
  • Gutachten: 2002 nach der Kirchen-Innensanierung: KMD Prof Lutz Volker / Orgelbau Kopetzki: Schleifzugapparate durch Magneten ersetzt, schadhafte Schleifen ersetzt, Spieltraktur (fehlerhaft) überarbeitet, Nachintonation aller Register, Stimmung nach Neidhardt sowie weitere Arbeiten.

    Kosten: 51.446,56 €

2016: Auf Grund irreparablen Konstruktionsfehler der Orgel aus dem Jahre 1969 wurde im Oktober 2013 die Orgelbaufirma Lenter aus Großsachsenheim beauftragt, hinter dem denkmalgeschützten Prospekt aus dem Jahre 1779/80 von Johannes Jacob Weinmar eine neue Orgel zu bauen. Die (7.) Orgel mit ihren 31 Registern, verteilt auf drei Manualen und Pedal erklingt im süddeutsch barocken Stil mit einem Übergang im dritten Manual in die Frühromantische Klangwelt.

Die Orgeleinweihung im Gottesdienst erfolgte am 1. Advent 2016 mit der Wideraufführung der „Danckkantate“ von Samuel Gottlob Auberlen (1780), die S.G. Auberlen zur Einweihung der Kirche und Orgel im Jahre 1780 geschriebene hatte. Die Orgeleinweihung im Konzert erfolgte am Ostermontag 2017 durch Prof. Dr. h.c. Christoph Bossert (Würzburg).

Orgel-Disposition: 31 Register
Erbauer: Orgelbau Lenter GmbH 2016

Koppeln mechanisch
I-II, III-II, 16’ III-II , III-Ped, II-Ped, I-Ped, 4’ III-Ped.
Zwei Tritte für eigenen Schweller Vox humana & Windschweller Physharmonika
Alle Trakturen rein mechanisch
Freie Windanlage mit 2 Faltenbälgen + Keilbalg für Rückpositiv

www.orgelbau–lenter.de

Thilo Frank, Organist und Kantor Lutherkirche Fellbach

Orgelharmonium

Das Orgelharmonium stand während der Phase des Orgelneubaus als Leihgabe in der Lutherkirche. Es wurde 2008 durch die Orgelbaufirma Lenter GmbH, Sachsenheim erbaut. Es erklang in der Lutherkirche Fellbach bis Ende des Jahres 2016.

Es ist das einzig neu gebaute Instrument in dieser Form.

Das Besondere am Orgelharmonium liegt darin, zwei Instrumente – eine Pfeifenorgel und ein Druckwindharmonium – in einen Klangkörper zusammengeführt werden.

Das Orgelharmonium hat im Gesamten 8 durchgehende Register auf zwei Manualen verteilt (+ zwei halbe Schwebungsregister auf dem Harmonium). Dem Spieler steht auf dem ersten Manual ein historisches Druckwindharmonium, ein so genanntes „Vierspiel“ (mit vier Register + Schwebungen) zur Verfügung (Zungenstock von Francesco Bruni – Paris 1857). Ein „Pedalspiel“ gibt es nicht. Durch Treten der Schöpfbälge werden die Füße Teil der Musik.

Auf dem zweiten Manual steht dem Spieler eine Pfeifenorgel (Lenter 2008) auf mechanischer Kegellade mit vier Registern zur Verfügung. Ein Contrabass 16´ C – H vervollständig wahlweise die Oktavkoppel: Die Orgel steht in einem Schwellkasten, der mittels eines Kniehebels durch den Spieler geöffnet und geschlossen werden kann. Dieser Schwellkasten dient der klanglichen „Modulation der Obertöne der Orgelregister“. Die Orgelregister sind individuell in ihrer Art, Bauform, Mensur und Intonationsweise auf die „durchschlagenden Zungen“ des Druckwindharmonium abgestimmt. Ihre Klanglichkeit wurde nach klanglichen Prinzipien des Orgelbauers Eberhard Friedrich Walcker (1794-1872)* entwickelt.

Die Eigenschaften beider Instrumente verschmelzen zu einer neuen, dynamischen Klangeinheit. Das Ergebnis ist eine unzählige Vielfältigkeit an Klangfarben, auf kleinstem Raum zusammengefasst. Der Spieler ist nicht nur mit den Händen gefordert, sondern auch durch Nuancen genaues Registrieren sowie mit der Erzeugung und Steuerung des Windes durch die Füße beim Harmonium. Das sind beste Vorraussetzungen für ein neues Experimentieren, Analysieren und Hören auf Basis solider historischer Wurzeln und auch vergessener Klangschätze.

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*Die Idee, diese Orgelpfeifenklanglichkeit, die Kegellade mit dieser besonderen Technik und die Dynamik der durchschlagenden Zunge im Expressionsspiel in einem Instrument (Orgelharmonium) zusammenzufassen, hat ihren Ausgang in einer „Salonorgel“ aus dem Jahre 1877 durch den Orgelbauer Walcker (op.323). Es handelt sich um eine Orgel mit 7 Register (Serpent 16′ im Pedal) auf Kegelladensystem gebaut in einen Generalschweller. Jedes Register hatte seine entsprechende Aufgabenstellung. Die Mensuren weisen eine ähnliche Entwicklung auf wie bei der Orgel in der ev. Stadtkirche Hoffenheim (E.Fr. Walcker op.42, 1846).

Fotos: Orgelbau Lenter, www.orgelbau-lenter.de


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Kantor Thilo Frank
(Tel. 0711/585 619 32, Fax 0711/933 42 554 oder Kantorat@Evang-Kirche-Fellbach.de)

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